Kommunikations- & Entscheidungsregeln (Sache vs. Beziehung)

Klare Sprache und klare Verfahren senken die Temperatur – und erhöhen die Beschlussfähigkeit. Ich arbeite mit systemischer Kommunikation und Gewaltfreier Kommunikation (GFK): Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte – verbunden mit präzisen Entscheidungswegen in Familienrat, Beirat und Gesellschafterkreis.

Regel 1: Beobachtung statt Bewertung

Wir trennen Wahrnehmung von Deutung. Statt „Du respektierst mich nie“: „Im letzten Meeting hast du zweimal während meines Beitrags gesprochen.“ Das entspricht Schritt 1 der GFK (Beobachtung) und reduziert Abwehrreflexe – besonders wichtig vor Entscheidungen zu Ausschüttung, Invest und Nachfolge.

Regel 2: Gefühle benennen – ohne Anklage

Gefühle sind Signale, keine Vorwürfe. „Ich bin angespannt“ öffnet mehr Türen als „Du setzt mich unter Druck“. Das ist Schritt 2 der GFK (Gefühl) und schafft Anschlussfähigkeit im Gremium.

Regel 3: Bedürfnis hinter der Position klären

Hinter „Ich will 40 %“ stehen oft Bedürfnisse wie Sicherheit, Einfluss oder Fairness. Wenn das benannt ist, werden Optionen sichtbar – zum Beispiel Stimmrechtsbündel, Informationsrechte oder Auszahlungslogik. Das ist Schritt 3 der GFK (Bedürfnis).

Regel 4: Bitte in Handlungssprache

Statt „Sei respektvoll“: „Wärst du bereit, mich ausreden zu lassen und danach kurz zusammenzufassen, was du verstanden hast?“ Das ist Schritt 4 der GFK (Bitte) – konkret, überprüfbar, jetzt.

Regel 5: Gesprächsordnung im Gremium

Redezeit, Reihenfolge, Paraphrase („Habe ich dich richtig verstanden …?“) und Protokolldisziplin. Kommunikation findet statt, wenn ein Signal an mindestens zwei Stellen identisch interpretiert wird – deshalb holen wir aktiv Bestätigung ein.

Regel 6: One-Voice & No-Back-Channel

Beschlüsse gelten nach innen und außen einheitlich (One-Voice). Keine Schattenkanäle über private Chats (No-Back-Channel). So bleiben Familienrat, Beirat und Gesellschafterversammlung handlungsfähig.

Regel 7: Entscheidungslogik sichtbar machen

Wir klären vorab: Entscheidungstyp (Information, Empfehlung, Beschluss), Stimmrechte und Vetos, Quoren und Sperrminorität nach Vertrag oder Ordnung, RACI-Zuständigkeiten (Responsible, Accountable, Consulted, Informed). Ergebnis: Beschlussreife statt Endlosdebatte.

Regel 8: Vorlagenformat & Varianten

Jede Beschlussvorlage enthält Kontext (Beobachtung), Wirkungen (Gefühl und Bedürfnis), Optionen A/B/C mit Risiken, Empfehlung und eine konkrete Bitte („Beschluss“). So verbinden wir GFK-Klarheit mit Corporate-Governance.

Regel 9: Eskalationsstufen

Wenn Konsens nicht erreichbar ist: Moderation → Time-out → Vertagung mit Einladung zu Reflexion → formaler Beschluss mit dokumentierter Mindermeinung. So bleibt das System arbeitsfähig – ohne Beziehungsschäden.

Regel 10: Gesundheits- und Opportunitätskosten messen

Wir tracken MVCC (Minimum Viable Cost of Conflict): Zeit, Recht, Gesundheit/Emotion, Wirtschaft, Opportunität. Messbarkeit schafft Tempo und verringert die Versuchung zum Machtspiel.

Mini-Leitfaden für Sitzungen

  • Start – Ziel, Agenda, Rollen (Leitung, Protokoll, Timekeeper).
  • Dialog – Beobachtung → Gefühl → Bedürfnis → Bitte; Paraphrase und Check.
  • Entscheiden – Entscheidungstyp klären, Varianten prüfen, Beschluss formulieren.
  • Nachlauf – To-dos (Owner, Deadline), Protokoll, One-Voice-Hinweis.

Haltung: ruhig, respektvoll, wirksam

Systemische Kommunikation fokussiert auf Wechselwirkungen und Ressourcen; GFK sorgt für saubere Sprache ohne Bewertung und mit klarer Bitte. Beides zusammen senkt die Eskalationswahrscheinlichkeit in Unternehmerfamilien spürbar.

Hinweis

Coaching ist keine Psychotherapie und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Rechtliche Inhalte setzen Sie mit Anwälten und Notaren um. In Notfällen wenden Sie sich an die zuständigen Stellen (112 / 116 117).

Weitere Informationen zu Geschwisterkonflikten in Unternehmerfamilien

Governance & Familienverfassung
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